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Biographie

1886
Oskar Kokoschka wird am 1. März 1886 als zweites Kind des aus einer Prager Goldschmiedefamilie stammenden Handelsreisenden Gustav Kokoschka und der aus dem steirischen Voralpenland gebürtigen Försterstochter Maria Romana, geb. Loidl, in Pöchlarn an der Donau (Niederösterreich) geboren. Seine Kindheit verbringt er in Wien.

1904-1906
Nach dem Besuch der k.u.k. Staatsrealschule im Wiener Gemeindebezirk Währing tritt er 1904 in die Wiener Kunstgewerbeschule (heute Universität für Angewandte Kunst) ein. Ab 1905/06 entstehen die ersten Ölgemälde.

1908
Teilnahme an der Kunstschau in Wien. Erscheinung seines dichterischen Erstlingswerks Die träumenden Knaben mit acht Farblithographien. Malt erstes Landschaftsgemälde in dem damals noch zu Ungarn gehörenden Pudmericz.

1909 
Teilnahme an der Internationalen Kunstschau in Wien. Uraufführung seines Dramas Mörder Hoffnung der Frauen.

1910
Am 8. Januar reist Kokoschka seinem Förderer und Mäzen, dem Architekten Adolf Loos, in die Schweiz nach. In Les Avants bei Montreux entsteht das Landschaftsgemälde Les Dents du Midi. In Yvorne porträtiert er den Schweizer Naturforscher Auguste Forel. Im Sanatorium in Leysin malt er Porträts tuberkulöser Adliger.

Reise nach Berlin, um Herwarth Walden bei der Herausgabe des Sturm zu unterstützen. In Waldens progressiver Zeitschrift veröffentlicht Kokoschka neben zahlreichen Zeichnungen sein Drama Mörder Hoffnung der Frauen.

1911
Teilnahme an der Hagenbund-Ausstellung. Illustration von Albert Ehrensteins Erzählung Tubutsch.

1912
Im Januar Vortrag Vom Bewußtsein der Gesichte. Beginn der Liebesbeziehung mit Alma Mahler. Ab Oktober für ein Jahr Assistent für allgemeines Aktzeichnen von Anton von Kenner an der Wiener Kunstgewerbeschule.

1913
Italienreise mit Alma Mahler, anschliessend Beginn der Arbeiten an der Windsbraut. Illustriert Die Chinesische Mauer von Karl Kraus und die eigene Erzählung Der gefesselte Kolumbus.

1914
Liefert Freskenentwürfe für ein Krematorium, dessen Bau in Breslau durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert wird.

1915
Trennung von Alma Mahler. Freiwillige Meldung zum Kriegsdienst beim 15. k. u. k. Dragonerregiment. An der ukrainischen Front schwere Verwundungen durch Kopfschuss und Bajonettstich in die Brust.

1916
Kriegseinsatz an der Isonzo-Front und erneute Verwundung.

1919
Die Münchner Puppenmacherin Hermine Moos fertigt eine lebensgrosse Puppe in Gestalt Alma Mahlers, die Kokoschka im Dresdner Atelier als Modell dient. Aufführung seiner Bühnenwerke Der brennende Dornbusch und Hiob am Deutschen Theater in Berlin. Anstellung als Professor an der Dresdner Akademie.

1923
Reise nach Zürich zur Vorbereitung seiner Ausstellung im Kunstsalon Wolfsberg; weiter nach Luzern und Montreux, Aufenthalt in Les Avants und Blonay, wo zwei Ansichten des Genfersees entstehen.

1924-1930
Ausgedehnte Reisen führen Kokoschka kreuz und quer durch Europa, Kleinasien und Nordafrika und führen schliesslich zur Auflösung seines Vertrags mit der Dresdner Akademie. 1927 veranstaltet das Kunsthaus Zürich die bis dahin grösste Einzelausstellung von Kokoschkas Werk.

1931-1933
Längere Aufenthalte in Paris. Kokoschka zeichnet mehrere Blätter nach der amerikanischen Tänzerin Mary Meerson.

1934
Reise nach Prag, wo er seine zukünftige Frau Oldriska-Aloisie, kurz Olda genannt, im Hause ihres Vaters, des Anwalts Karel Bretislav Palkovsky, kennenlernt.

1935
Malt das Porträt des Gründungspräsidenten der Tschechoslowakei, Tomáš G. Masaryk, dessen Freundschaft er seine tschechische Staatsbürgerschaft verdankt.

1937
Druck des Plakats mit Aufruf zur Hilfe für die baskischen Kinder als Reaktion auf die Bombardierung von Guernica. Auf der Münchner Ausstellung Entartete Kunst mit acht Werken vertreten.

1938
Mit 22 Werken auf der Ausstellung Twentieth Century German Art in London vertreten. Auf Initiative von Olda flieht er mit ihr vor den Nationalsozialisten nach England.

1939
Gründung des Freien Deutschen Kulturbundes in London. Versteigerung von 125 in deutschen Museen konfiszierten Kunstwerken, darunter neun Gemälde Kokoschkas, im Grand Hotel National in Luzern durch den Kunsthändler Theodor Fischer. Das Kunstmuseum Basel erwirbt in Berlin die Windsbraut. Umzug nach Polperro (Cornwall). Beginn der Arbeiten am Gemälde Die Krabbe (London, Tate Gallery), bei dem es sich um eine Allegorie auf Englands Politik gegenüber der Tschechoslowakei handelt.

1941
Heirat mit Olda in Hampstead. Aufenthalt in Elrig bei Port William in Schottland, wo viele Farbstiftzeichnungen entstehen.

1943
Zwei längere Aufenthalte in Nord-Wales. Umzug in die Park Lane in London.

1944
Aufenthalt in Ullapool in Ross-Shire, wo weitere Farbstiftzeichnungen entstehen. In Elrig lernt der Maler die aus Lateinamerika stammende Schülerin Minona Margarita McEwen kennen, von der er Farbstiftporträts und ein Ölgemälde anfertigt.

1945
Im Winter lässt Kokoschka in der Londoner U-Bahn sein Plakat Christus hilft den hungernden Kindern als Aufruf zur Hungerhilfe anschlagen.

1947
Britische Staatsbürgerschaft. April: Eröffnung der Kokoschka-Retrospektive in der Kunsthalle Basel, die im Sommer ins Kunsthaus Zürich wandert. Malt in Sierre das Porträt von Werner Reinhart, ferner mehrere Walliser Gebirgslandschaften, darunter zwei Ansichten des Matterhorns.

1948
Teilnahme an der 24. Biennale in Venedig mit 16 Gemälden. In Fiesole malt Kokoschka ein Selbstbildnis, in Florenz Stadtansichten. Ausstellung im Museum of Fine Arts in Boston.

1949
5. Mai – 15. Juli: Aufenthalt in Rom. Lernt dort im Haus des deutschen Archäologen Ludwig Curtius den Komponisten und Dirigenten Wilhelm Furtwängler kennen. Kokoschka-Retrospektive im Museum of Modern Art, New York.

1950
Malt für den Londoner Stadtpalast von Antoine Graf Seilern das Prometheus-Triptychon.

1953
Eröffnung der Internationalen Sommerakademie, in der Kokoschka seinen Unterricht unter dem Titel ‹Schule des Sehens› hält. Zeichnet nach Ende der Kurse eine Reihe von Farbstiftakten. Einzug in die Villa Delphin in Villeneuve.

1954
Triptychon Die Thermopylen für die Hamburger Universität. Im August Porträt des katalanischen Cellisten Pablo Casals im Hotel Bellevue in Sierre.

1955
Aufführung von Mozarts Zauberflöte in der Salzburger Felsenreitschule mit Bühnenausstattung und Kostümen von Kokoschka.

1956
Im Frühjahr Rundreise durch Griechenland. Im Herbst Kostümfigurinen und Bühnenbilder für eine Inszenierung des Sommernachtstraums im Shakespeare-Theater in Stratford on Avon, die jedoch nicht zustande kommt.

1957
Landschaftsgemälde Genfersee mit Dampfer.

1960
Arbeit an den Bühnenbild- und Kostümentwürfen für Ferdinand Raimunds Moisasurs Zauberfluch. Auszeichnung mit dem Erasmus-Preis in Kopenhagen. Ehrendoktor der Universität Oxford. Bühnenbildentwürfe für eine Aufführung seines Stücks Orpheus und Eurydike im Wiener Atelier-Theater am Naschmarkt.

1961
Reise durch Griechenland, während der Kokoschka die Lithographien der Folge Bekenntnis zu Hellas und Farbstiftzeichnungen nach antiken Monumenten anfertigt.

1962
Im Wiener Burgtheater zu Arbeiten an der Bühnenausstattung für Ferdinand Raimunds Die gefesselte Phantasie. Füllt im British Museum ein Skizzenbuch mit Farbstiftzeichnungen nach dem Fries des Tempels zu Bassae. Kokoschka-Retrospektive in der Londoner Tate Gallery

1963
Illustrationen zu Shakespeares King Lear. Anlässlich der 26. Florentiner Mai-Festspiele Aufführung von Giuseppe Verdis Maskenball im Teatro Comunale, für die Kokoschka die Bühnenbilder und Kostüme entwirft. Auf einer Reise durch Apulien zeichnet Kokoschka die Lithographien zur Serie Apulia.

1964
Beginn der Arbeiten an den Illustrationen zu Homers Odyssee.

1965
Reise nach Marokko, wo Kokoschka die Lithographien der Folge Marrakesch zeichnet. Porträtiert auf den Festspielen in Luzern den russischen Pianisten Svjatoslav Richter. 19. Oktober: In Genf Premiere der Zauberflöte mit Kokoschkas Ausstattung.

1966
Malt in Cadenabbia das Porträt des Altkanzlers Konrad Adenauer. Kokoschka-Retrospektive im Kunsthaus Zürich. Malt auf Bitte des Verlegers Axel Springer vom Springer-Hochhaus den Blick in den Ostteil von Berlin. Zeichnet die Lithographien der Folge Saul und David.

1967
Arbeiten an der Illustration der Komödie Die Frösche von Aristophanes. Zur Vorbereitung der Folge zeichnet Kokoschka in Gstaad Frösche nach der Natur.

1969
Selbstporträt zwischen Teufel und Muse. Reise nach Griechenland und Zypern.

1970
Radierungen zu Kleists Penthesilea.

1972
Entstehung des Gemäldes Peer Gynt.

1973
Beginnt das Gemälde Mal’Occhio als Hinweis auf seine abnehmende Sehfähigkeit. Reise nach Israel, wo er die Porträts für die Serie Jerusalem Faces zeichnet. Gründung des Vereins zur Erforschung und Dokumentation des Werkes Oskar Kokoschkas mit Sitz in seinem Geburtshaus in Pöchlarn. Lithographien zu den Troerinnen von Euripides.

1974
Ehrenstaatsbürgerschaft Österreichs. Karfreitag: Einweihung des Mosaiks Ecce Homines in der St. Nikolai-Kirche in Hamburg. Für die Verfilmung seines Comenius-Dramas durch Gyula Trebitsch und Stanislav Barabas zeichnet Kokoschka Szenen aus dem Leben des mährischen Pädagogen.

1975
Illustrationen zu Knut Hamsuns Roman Pan und zur Erzählung Einstein überquert die Elbe bei Hamburg von Siegfried Lenz.

1980
22. Februar: Tod in der Klinik von Montreux.

1981
Olda Kokoschka übergibt den schriftlichen Nachlass ihres Gatten der Zentralbibliothek Zürich. Bis zu ihrem Tode erfolgen weitere Schenkungen von Autographen, die sie im Auktions- und Antiquariatshandel erwirbt.

1988
1. Februar: Olda Kokoschka gründet die «Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka» mit Sitz in Vevey und stattet diese mit Bildwerken aus ihrem Besitz aus. In den folgenden Jahren vermehrt sie die Sammlungen der Stiftung durch Schenkungen und Zukäufe.

2004
22. Juni: Tod von Olda Kokoschka